May 2012 - Metal Hammer (DE / German)

Source: Metal Hammer
Date: May 2012
Language: German
Transcript: Bree / whiteribbon.blog

Source and transcription notes

This is my transcript by hand. I am not a native speaker or reader. I may make typos or forget a comma.


Interview: May 2012, Metal Hammer

2012 May Metal Hammer scan of Paul Landers promoting his Signature Gibson Les Paul model
Original Zeitschriftenabzug mit Werbefotos von Paul Landers und seinem Gibson Les Paul Signature Gitarren Modell.

Als rein deutsches Phänomen vor 18 Jahren gestartet, hat sich die Band längst zu einem weltweit erfolgreichen Spektakel entwickelt. Zurzeit befinden sich Rammstein auf großer Amerikatournee und eilen von Triumph zu Triumph. Dennoch hatte Paul Landers Zeit Metal Hammer exklusiv seine neue Gibson Les Paul Paul Landers Signature Gitarre vorzustellen.

Metal Hammer: Paul, wie geht's dir zurzeit? Ist es in einem so riesigen Land wie Amerika anstrengender zu Touren als wie Europa?

Paul: Nicht unbedingt. Die Bedingungen hier sind vergleichsweise gut. Im Ostblock wäre es vermutlich weitaus schwieriger, aber die Vereinigten Staaten gehören ja zu Ländern, in denen ausgedehnte Touren routine sind. Bislang ist jedenfalls noch keine Show ausgefallen. Wir sind mit einemeigenen kleinen Flugzeug unterwegs, werden jeden Tag in einem schwarzen Van direkt aufs Rollfeld gefahren und müssen uns bei den Sicherheitskontrollen nichts hinten anstellen. Insofern reisen wir sehr komfortabel. Das einzige Problem dabei: Der Körper merkt im Grunde genommen gar nicht, wie viel wir reisen, der Kopf kommt manchmal der Wirklichkeit nicht mehr hinterher.

Metal Hammer: Dafür darf sich dein Kopf jeden Abend auf dein eigenes Gibson Les Paul Modell verlassen.

Paul: Das stimmt. Früher habe ich mit Music Man Gitarren experimentiert, aber die gefielen mit optisch einfach nicht. Ich bin körperlich nicht die Größte, daher passte es zwar von den Proportionen, aber ich fand die Form der Music Man Modelle einfach unschön. So bin ich schließlich bei der Les Paul gelandet, die zusammen mit der Tele und der Strat so etwas wie die Urform der E-Gitarre darstellt. Seit etwa acht Jahren spiele ich ausschließlich Gibson Les Paul, wobei ich mir die ersten Modelle selbst gekauft habe. Ich bin eigentlich nicht der typische Endorser-Typ, der alles umsonst haben will. Ich verdiene mein eigenes Geld und kann mir das kaufen, was ich spielen möchte. Das verhindert auch gewisse Abhängigkeiten. Witzig ist: Je besserich bei Kasse bin, desto mehr Leute bieten mir ihre Instrumente umsonst an.

Metal Hammer: Also auch Gibson?

Paul: Würden Sie vermutlich, aber darauf kommt es mir nicht an. Ulf Zick von Gibson fragte mich vor etwa drei Jahren, ob wir nicht gemeinsam ein Paul Landers Signature Modell entwickeln sollten. Ich find die Idee interessant, ohne diesen Plan jedoch gleich konkret und zwingend zu verfolgen. Ich mag es generell, Sachen sich Stück für Stück entwickeln zu lassen, allein der Prozess des Kreativen macht mir unheimlich viel Spaß.

Metal Hammer: Welche konkreten Parameter für das Paul Landers Modell gab es von Beginn an?

Paul: Es sollte auf alle Fälle eine typische Les Paul bleiben und lediglich im Detail auf mich abgestimmt sein, also vor allem hinsichtlich Technik und Optik. Ich wäre vermutlich überfordert damit gewesen, ein vollkommen neues Modell zu entwickeln. Aber darum ging es mir auch gar nicht, ich wollte stattdessen die Dinge geändert haben, die mir bislang das Handling einer Les Paul erschwert hatten.

Metal Hammer: Beispielsweise die Potis.

Paul: Richtig, bei der Les Paul Standard sind die Lautstärke-Potis ziemlich schwer zu erreichen. Das sollte bei meinem eigenen Modell natürlich nicht der Fall sein. Ansonsten bin ich bei Gitarren eher Mädchen: Die Optik ist mir das Wichtigste, größere Unterschiede bei Hölzern höre ich sowieso kaum, zumal es da ja auch - abhängig vom Zustand der jeweiligen Sorte - große Unterschiede gibt. Ich denke, dass es mit einer guten Gitarre ähnlich wie mit einer tollen Frau ist: beides ist schwer zu finden.

Metal Hammer: Hattest du dich an gewissen klanglichen Vorbildern orientiert?

Paul: Ich habe mir natürlich Lieblings-Gitarrensounds angehört und mich danach gerichtet. (Beispielsweise Metallica, Slipknot, oder Pantera.)

Metal Hammer: Wann hattest du den ersten Prototypen der Paul Landers Signature in den Händen?

Paul: Ich bin irgendwann nach Ehringshausen in den Laden von Tom Laundhardt gefahren, habe mehrere Gitarren ausprobiert und das meines Erachtens beste Modell gekauft. Tom hat die Gitarre dann so hergerichtet, wie ich sie haben wollte, also mit nur einem Lautstärkeregler und mattschwarzer Lackierung.

Metal Hammer: Mattschwarz, passend zu Rammstein.

Paul: Wobei das sowieso mein bevorzugter Farbton gewesen wäre. Das Problem war eher, eine wirklich gute mattschwarze Farbe zu bekommen. Ehrlich gesagt haben wir hier noch nicht das Optimum gefunden, denn man muss bei Lack sehr vorsichtig sein, um nicht das Holz und damit den Klang zu töten. Ich musste den Leuten vertrauen, die den Lack aufgetragen haben. Momentan sieht es so aus, dass der mattschwarze Lack mit der Zeit durch das Putzen leicht zu glänzen beginnt. Das zu ändern wäre sicherlich noch mal eine besondere Herausforderung fürs nächste Modell.

Metal Hammer: Wie wird die Gitarre überhaupt heißen?

Paul: Sie nennt sich Gibson Les Paul Paul Landers No 1. Ulf Zick hat mir erzählt, dass ich der erste deutsche Künstler mit einem Gibson Signature Modell bin.

Metal Hammer: Gibt es die Gitarre schon zu kaufen und was kostet sie?

Paul: Sie steht seit April in den Läden und wird etwa 1.700 Euro kosten. Ich finde, das ist ein fairer Preis, den ich für eine so schöne Gitarre auch selbst ausgeben würde. Es gibt noch deutlich teurere Modelle, und wer eine billige Les Paul kaufen möchte, findet ebenso etwas im Gibson-Sortiment. Ich denke, hier wurde ein guter Mittelweg gefunden.

Metal Hammer: Seit wann spielst du den ersten Prototypen dieser Gitarre?

Paul: Seit drei Jahren, sowohl im Studio als auch auf der Bühne. Auf der aktuellen Tournee habe ich insgesamt sieben Gitarren dabei, drei in jeder Stimmung plus jeweils Ersatz, macht zusammen sechs Instrumente, dazu kommt ein siebtes Modell für die B-Bühne, allerdings ohne Ersatz, sodass da nichts kaputt gehen darf.

Metal Hammer: Wie würdest du den Sound deiner Signature Les Paul beschreiben?

Paul: Sie klingt dunkel, schwer, und hat wirklich ausreichend Bässe. Ich finde, dass man nicht genug Bässe haben kann, denn Höhen sind immer noch am Verstärker nachregulierbar. Aber wenn die Gitarre selbst nicht gut klingt, kann der Amp die Sache auch nicht mehr retten.

Metal Hammer: Obwohl ihr relativ wenige Features geändert habt, sieht deine Les Paul dennoch sehr markant und unverwechselbar aus.

Paul: Ja, das finde ich auch. Ich mag es, wenn Dinge nur zweifarbig sind. Alles, was an meiner Gitarre aus Holz ist, wurde schwarz lackiert, und alles Übrige ist dann eben aus Metall. Bei den Inlays hatten wir keinen richtig guten Einfall, deswegen haben wir komplett davon abgesehen. Ich verfolge hierbei das Apple-Prinzip - Wenn man keine gute Idee hat, sollte man Dinge einfach weglassen. Es gab zwischenzeitlich immer mal wieder Vorschläge zu Design-Änderungen, aber letztendlich haben wir uns für die rein klassische Ausführung entschieden.

Metal Hammer: Existieren bereits erste Ideen für eine zweite Auflage mit leicht veränderten Details?

Paul: Die gibt es tatsächlich. Wie gesagt, man könnte beim mattschwarzen Lack noch gezielter experimentieren, außerdem hätte ich gerne, dass die Metallteile der Gitarre zukünftig nicht mehr glänzen, sondern eher nach mattem Stahl aussehen.

Metal Hammer: Und was ist mit dem Plektrum-Schlitz, der bislang nur auf deinem Prototyp zu finden ist?

Paul: Gute Frage. Es wäre in der Tat überlegenswert, das anzubieten. Vielleicht geht es ja auch anderen Gitaristen so wie mir, dass sie, wenn sie mal auf der Bühne nur herumstehen, gerne die Hände frei hätten. Und das Plektrum wie ein Bluesmusiker zwischen die Saiten zu stecken, ist doch arg Klischee.

Metal Hammer: Letzte Frage: Was macht diese Gitarre, die auch für Nicht-Rammstein-Fans sicherlich interessant sein dürfte, zu einer richtigen Rammstein-Gitarre mit Rammstein-Sound? Nur deine Finger, oder auch der Verstärker, über den du sie spielst?

Paul: Zunächst kommt es darauf an, wie man eine Gitarre spielt, wie man die Saiten drückt, wie man sie mit der rechten Hand anschlägt. Das alles beeinflusst den Sound mehr, als es jeder Verstärker könnte. Außerdem ist das Riff gut, ist auch der Sound prima. Ein guter Verstärker ist zweifellos auch wichtig, aber entscheidend sind die Finger und das Riff. Wir lernen selbst immer noch jeden Tag dazu. Nach so vielen Konzerten merkt man, dass auf der Bühne weniger oft mehr ist: Je entspannter man spielt, umso besser klingt es.

Wenn man unter Hochspannung auf die Gitarre einprügelt, klingt es sehr schnell hektisch und dünn. Die Energie hängt vom Handgelenk ab. Egal, was der Körper macht - aber der Hand muss Frieden herrschen. Auch bei der Verzerrung des Verstärkersgilt: Je weniger, desto besser, weil dann mehr Druck im unteren Frequenzbereich entsteht. Richard ist der typische Röhren-Typ mit Rectifier und stark verzerrtem Sound, ich dagegen stehe auf Transistor-Sound und weniger Verzerrung. Aber natürlich variiert auch das von Song zu Song Pussy beispielsweise spiele ich mit weniger Gain als Mutter. Wie gesagt, so etwas hängt immer vom jeweiligen Song ab und auch davon, ob es zum Gesamtsound vom Rammstein passt.